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Familien-Mediation
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Zur Orientierung
MEDIATION AUF EINEN BLICK

In der Bundesrepublik wird jede zweite oder dritte Ehe geschieden. Das sind ca. 190.000 Scheidungen jährlich. Betroffen sind davon Kinder und Jugendliche. Hinzu kommen die statistisch nicht erfaßten Trennungen nicht-verheirateter Paare und ihre Kinder.
Trennung und Scheidung sind einschneidende Ereignisse, die nicht selten mit Gefühlen wie Ohnmacht, Wut, Angst, Verzweiflung, Trauer, Gesprächsunfähigkeit und Vorwürfen verbunden sind. Ein Lebensabschnitt geht zu Ende.
Zugleich sind neue Perspektiven zu entwickeln:
z.B. wie werden künftig die Kinder betreut und versorgt,
wie sieht das Zuhause aus, bleibt einer der Partner
-wer? – jedenfalls übergangsweise in der Wohnung oder im Haus?
Wie wird das familiäre Einkommen geteilt, nachdem die doppelte Haushaltsführung entschieden mehr kostet?
Bietet sich ein (Wieder-) Einstieg in die Berufstätigkeit an oder kommt eine Aus- bzw. Weiterbildung in Frage?
Wie werden Ersparnisse und Vermögen auseinandergesetzt, wozu können sie eingesetzt werden?
Wie kann für das Alter vorgesorgt werden?
Viele Paare und Familien brauchen Unterstützung, wenn eine so grundlegende Neuordnung ihrer Verhältnisse auf persönlichem, wirtschaftlichem und sozialem Feld ansteht.
Wer hilft?
Herkömmlicherweise werden Paaren in der Trennungs- und Scheidungsphase zwei Angebote gemacht:

  • auf der persönlichen Ebene: Begleitung in der Krise durch Beratung und Therapie
  • auf der sachlichen Ebene: rechtliche Regelung über Anwälte und Gericht.
Beides reicht heute vielen nicht mehr. Sie wollen etwas Drittes, nämlich persönlich eine sachliche Verständigung erarbeiten. Für diese Gruppe bietet sich Mediation an als ein Verfahren, unter fachlicher Begleitung (wieder) ins Gespräch zu kommen und die anstehenden Entscheidungen selbst auszuhandeln.

Was ist Mediation?

  • Mediation heißt Vermittlung.
  • Der Mediator ist neutral und – anders als der Richter – selbst ohne inhaltliche Entscheidungsbefugnis. Er unterstützt die Konfliktpartner darin, eigenverantwortlich die passenden Regelungen zu entwickeln.
  • Das Verfahren ist freiwillig. Die Freiwilligkeit schließt die Möglichkeit ein, das Verfahren jederzeit einseitig zu beenden. Als Betroffene können Sie also ausprobieren, ob Mediation für Sie das geeignete Verfahren ist – oder ob Sie eine andere Alternative, etwa anwaltschaftliche Verhandlungen oder das gerichtliche Verfahren, vorziehen.
  • Eigenverantwortliche Entscheidungen setzen die Kenntnis aller relevanten Tatsachen voraus. Sie müssen also offengelegt werden.
  • Das Verfahren ist vertraulich. Der Mediator tritt deshalb nicht als Zeuge vor Gericht auf. Anwaltliche Mediatoren vertreten keinen der Konfliktpartner nach Abschluß der Mediation vor Gericht.
  • Konflikte werden nicht unter den Tisch gekehrt. Jeder tritt für sich selbst ein. Letztlich werden freilich Kooperation und Verständigung angesteuert. Sie bilden die Grundlage dafür, daß die Konfliktpartner ihre jeweiligen persönlichen Interessen in einer maßgeschneiderten Vereinbarung verwirklichen und auch den Bedürfnissen ihrer Kinder gerecht werden können.
  • Mediation setzt keine vorgefertigten Ergebnisse voraus. Häufig lernen die Konfliktpartner ihre eigentlichen Interessen und die des Konfliktpartners erst während des Verfahrens kennen. Das ermöglicht Entscheidungen, die in Übereinstimmung mit der zukünftigen Lebensperspektive beider Parteien stehen.
  • Trennung und Scheidung erfordern eine Neuordnung familiärer Beziehungen und eine Regelung der Folgen. Mediation eröffnet hierzu einen Weg, der auf Selbstachtung und gegenseitigem Respekt gründet.
  • Eigenverantwortete Entscheidungen klammern das Recht nicht aus, sondern schließen es ein. Es geht allerdings nicht darum, Recht zu haben, sondern darum, innerhalb rechtlicher Rahmenbedingungen Vereinbarungen zu treffen, letztlich: Recht zu gestalten. Die Vereinbarung gewinnt Rechtsverbindlichkeit in der Regel dadurch, daß sie notariell beurkundet oder im gerichtlichen Scheidungsverfahren als Vergleich zu Protokoll genommen wird.

Kinder

Die Familienforschung ist sich darin einig, daß es den Kindern dann am besten geht, wenn die Eltern trotz Trennung als Paar oder gerade deshalb als Eltern kooperieren lernen, wenn also die Kinder nicht mit der Trennung einen Elternteil aufgeben müssen. Für die Kinder ist es schlimm – und unvermeidlich –, daß sie das gemeinsame Zuhause verlieren. Vielen Eltern liegt daran, daß die Kinder unter der Trennung so wenig wie möglich leiden. Sie suchen nach einer konstruktiven Bewältigung ihrer Konflikte.
Mediation gibt hierzu eine Hilfestellung. Sie nützt den Kindern und den Eltern

  • durch Stärkung der elterlichen Verantwortung und des elterlichen Engagements
  • durch Abbau von Ängsten und Mißtrauen (Verlust der Kinder) zugunsten einer klaren Betreuungsregelung (Zuwachs an Beziehung)
  • durch die Besinnung auf die Bedeutung beider Eltern als Mutter und Vater für die Kinder
  • durch Betonung der für die Kinder entscheidenden Zukunftsperspektiven
  • durch Einübung von Kooperation
  • durch Förderung von bislang eher verborgenen familiären Fertigkeiten und Ressourcen
  • und durch den versöhnlichen Charakter von Mediation

Kosten

Mediation wird von Angehörigen psychosozialer Berufe und von Rechtsanwälten ausgeübt. Normalerweise wird nach Stundensätzen abgerechnet, bei Beratungsstellen teils auf Spendenbasis. Für Rechtsberatung und rechtliche Gestaltung fallen gesonderte Kosten an.
Für Betroffene gilt: Vergewissern Sie sich zu Beginn, mit welchen Kosten Sie rechnen müssen. Das kommt der Mediation entgegen. Denn dieser liegt an Kostentransparenz, so daß Sie immer wissen, was auf Sie zukommt.
Übrigens: Mediation ist meist preisgünstig. Nicht, weil es das billigere Verfahren ist, sondern weil Verständigungslösungen weniger kosten als streitige Verfahren.